Bahnkarten per Handy bezahlen

Seit kurzem testet die Deutsche Bahn ja in Berlin ein neues Verfahren, wie man seine Bahnkarte quasi mit einem App-fähigen Handy (also idR Smartphones) bezahlen kann.
Das funktioniert auch für Busse, Straßen- und U-Bahnen der BVG
Einige werden sich jetzt denken: “Häh? Das geht doch schon eine Weile so – man sucht sich eine Verbindung über das Handy, bezahlt und erhält das Bahnticket per MMS aufs Gerät.”
Nicht ganz.
Das neue Verfahren nennt die Bahn Touch&Travel (so heißt dann auch die App) und funktioniert ein klein wenig anders.
Und zwar so: Man lädt sich die nötige App dafür aus dem App Store oder eben dem Android Market und startet sie beim Einsteigen in die Bahn. An verschiedenen Punkten, registriert die Bahn dann, wo man sich gerade befindet. Das Übertragen dieser Daten kann auf 3 Wegen geschehen – über GPS, durch fotografieren von Barcodes oder durch Eingabe von sogenannten Touchpoint-Nummern. Ist man am Ziel, schaltet man die App wieder aus. Die Bahn berechnet dann die Kosten für die gefahrene Strecke.
Klingt erst mal alles schön einfach und unkompliziert.
Wenn man aber genau hinsieht, sollte man schon etwas skeptisch werden…

1. Fakt ist, es handelt sich hier um die Deutsche Bahn. Das Unternehmen, welches ganz Deutschland kackdreist ins Gesicht gelogen hat bzgl. Stuttgart21, falsche Zahlen vorgelegt hat, regelmäßig die Preise erhöht, nach wie vor unzuverlässig ist und sich bekanntermaßen unheimlich gerne vor Verantwortung drückt. Ganz besonders dann, wenn es darum geht Kunden zu entschädigen. Wir reden hier von dem Unternehmen, welches gerne besonders günstige Verbindungen einfach mal verschweigt. Das wissen wir leider aus einigen Tests unsererseits nur all zu gut.
Wir haben  mehrmals die günstigsten Verbindungen im Internet rausgesucht, sind dann zum Bahnhof und haben nach “einer möglichst günstigen Verbindung von A nach B” gefragt. Wir bekamen grundsätzlich eine weit teurere Verbindung angeboten.
Man könnte jetzt meinen, die Bahn sucht dann nach der schnellsten Verbindung. Weit gefehlt. Es war nie die schnellste und in 50% der Fälle sogar eine viel langsamere Verbindung. Logisch – wenn die Strecke länger ist, steigt auch der Preis.
Und eben dieses Unternehmen erzählt jetzt was davon, dass automatisch der günstigste Verbindungspreis abgerechnet würde, wenn man sich blind auf diese App verlässt?!
Das käme auf einen Versuch an.

Da wären wir dann aber auch schon bei Punkt 2.
Würde ich so einen Versuch starten, dürfte ich hinterher niemandem davon erzählen.
Warum? Nun, wenn du dieses Verfahren nutzt, gehst du mit der Bahn einen Vertrag ein, der wiederum enthält, lt. Netzpolitik.org, eine Klausel, die dich zum Stillschweigen verdonnert, solange du dieses Verfahren nutzt und das bis 6 Monate nach Beendigung Testlaufes.

Der Teilnehmer verpflichtet sich – unabhängig von einer eventuellen vorzeitigen Vertragskündigung – über die gesamte Laufzeit des Piloten nach § 8 bis einschließlich 6 Monate nach Pilotende, schriftliche Veröffentlichungen oder anderweitige öffentliche Stellungnahmen über die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse zum Verfahren Touch&Travel ausschließlich nach Rücksprache und mit Einverständnis der DB zu tätigen. Ausgenommen hiervon ist eine Kommentierung der Smartphone Applikationen, jedoch nicht über das Verfahren selbst, im Apple App Store bzw. im Google Android Market.

Da fragt man sich vermutlich zu Recht, was das soll. Die Bahn wird wohl ihre Gründe haben. Aber erzählen ob die App auf deinem Handy funktioniert, das darfste…

Punkt 3: Die Bahn (und wer weiß, wer noch), weiß zu jeder Zeit, wann du wo unterwegs bist/warst. Möchte ich das? Eher nicht. Da geh ich doch lieber etwas früher los und zieh mir die Karten wie gehabt aus dem Automaten oder hol sie vom Schalter.

Fazit:
Da ich ohnehin nichts von der Bahn halte, wird dieser Kelch vermutlich, solange es Alternativen gibt, an mir vorbeiziehen.
Allgemein sei jedem ans Herz gelegt: Verfahren die so hoch gepriesen werden und wo man auch noch mit Aussprüchen lockt wie “wird immer automatisch die günstigste Verbindung abgebucht”, lohnt es immer genauer zu betrachten und sich zu fragen, ob man wirklich nur mit Geld für diesen “Service” zahlt, oder nicht auch ein Stück mit seiner Privatsphäre.
Der Bahn blind zu vertrauen käme für mich persönlich nie in Frage.
Völlig ausgeschlossen.

xxx, YM

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5 Senfs zu Bahnkarten per Handy bezahlen

  1. LauraKakao meint:

    Also ich denke sogar man braucht mehr zeit mit diesem “PIloten” denn man muss wenn man sich eben mal beeilen muss einen touch point finden dann da stehen nicht vmo Menschenstrom mitgerissen werden und dann auch noch ich weiß nicht wiefiele Zahlen und Buchstaben eintippen. Aber bloß nichts falsch eintippen, sonst musst du noch ein paar 100 euro bezahlen weil man angeblich durch Afrika gefahren ist. Wenn du Glück hast wirst du nicht von all den Leuten um dich herum angeschnautzt und deine Sachen nicht geklaut, weil eine gefühlte halbe Stunde vor diesem komischen touch point stehst. Wenn du gaaanz viel Glück hast verpasst du einen toch point und hast auch noch mit gaaanz viel Glück 40 euro weniger weil du ja “betrügst”. Es kann ja auch passieren, dass die app wieder ausgeht weil man die Tastensperre nicht reingemacht hat. Dann hast du nochmal 40 euro weniger. Also mir ist ja das “normale” e-ticket lieber, denn man hat eine MMS man ist schneller unterwegs, wird nicht angeschnautzt, wirst nicht ausgeklaut und hast 80 euro mehr zum shoppen. Was aber doch passieren kann ist das wenn die MMS grade geschickt wird man keine verbindung mehr hat und dann wars das mit dem Ticket. Zwar bekommt man dann das Geld wieder zurück (hoffe ich) aber man hat immer noch kein Ticket. Dann muss man doch noch zum traditionellen Ticket zurückgerifen. Doch für kleine Verbrecher (^_-) sind beide e-tickets ein segen. Sobal man sieht das da ein Kontrolleur kommt schaltet man die app ein/ kauft sich das ticket. Und wenn keiner kommt hat man Glück und muss nichts bezahlen ^_-

    • YM meint:

      Ähnliche Gedanken dazu hatte ich auch. Wobei ich denke, dass die meisten sich vermutlich lieber über GPS oder so dann orten lassen, ohne direkt die einzelnen Punkte dann durch abfotografieren zu passieren oder so.

      • LauraKakao meint:

        naja aber über GPS wenn man in einer U-Bahn sitzt ich weiß nicht. Und bei diesen touch points kann man die nicht mal fotografieren, sondern muss eine kombi aus zahlen und Buchstaben eintippen

        • YM meint:

          Ja gut das weiß ich nicht, ob die drei Möglichkeiten in Kombination zu nutzen sind (mal so, mal so) oder ob sie jeweils Alternativen sind, sprich, du kannst selbst entscheiden ob du einen Code abfotografierst, oder ob du ihn direkt eintippst. So oder so, denke ich, ist man immer noch sicherer dran, wenn man das Ticket einfach vorher zieht.

  2. LauraKakao meint:

    Sorry wegen der den paar fehlern aber mir ist immer etwas besseres eingefallen und dann ab ich etwas nochmal weggemacht und nochmal geschrieben und dann ein Wort zu wenig weggemacht 😀

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